Verwaltung 2026

1. Juli 2026

Über die „Beamten“ im Rathaus wird ja oft und gerne geschimpft. Zu Recht?

Aus eigener Erfahrung und auch aus Gesprächen mit etlichen Bürgerinnen und Bürgern stellen wir fest:
Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind das, was viele erleben, wenn sie sich an unsere Verwaltung wenden.

Natürlich gibt es auch eine andere Erfahbrungsseite im Behördenkontakt: Da werden Bitten oder Anträge – aus Sicht der Antragsteller mit nicht nachvollziehbaren Argumenten – im „Beamtendeutsch“ abgelehnt, da dauert eine Bearbeitung auch mal deutlich länger als erwartet und manchmal schleicht sich der Eindruck ein, man komme als Bittsteller und sei auf die Gnade eines Sachbearbeiters angewiesen.

Dass es ähnliche Erfahrungen auch in Diekholzen geben könnte, ist zumindest nicht auszuschließen. Leider hilft es in solchen Situationen dann nichts, wenn das in anderen Kommunen genau so ist. Aber es tut sich etwas und erste Schritte auf dem Weg in die „Gemeinde der Zukunft“ wurden bereits vor mehr als 5 Jahren unter der Bürgermeisterin Birgit Dieckhoff-Hübinger getan.

Der Internetauftritt ist seitdem umfangreich und informativ. Mit dem integrierten Bürgerinformationssystem und dem Ratsinformationssystem wurde ein großes Stück Transparenz geschaffen. Wer möchte, kann sich z.B. jederzeit darüber informieren, welche Themen wann in welchem Ausschuss oder im Rat behandelt werden. In die Zukunft gerichtete Maßnahmen wie die „elektronische Akte“ oder ein Dokumentenmanagementsystem wurden damals schon angeschoben – aber in den letzten 5 Jahren unter dem dann agierenden Bürgermeister leider nicht umgesetzt.

Es muss aber schneller und deutlicher weg von der „Amtsstube“ in Richtung „zukunftsorientierte Verwaltung“ gehen.

Verwaltung darf gerne und muss sogar effektiv und effizient sein. Das bedeutet ganz allgemein: die richtigen Dinge tun (zielorientiert priorisieren und Schwerpunkte setzen) – und diese Dinge dann auch richtig tun (den Ressourceneinsatz optimieren und Umständlichkeiten vermeiden).

Dazu müssen unter anderem die verwaltungsinternen Prozesse unter die Lupe genommen werden: Wie werde ich schneller, damit die „Kundenzufriedenheit“ steigt? Wie werde ich effizienter, damit ich die gleiche Leistung mit weniger Kosten „produzieren“ kann? Wie sorge ich vor, dass in Zukunft trotz altersbedingter Abgänge bei den Mitarbeitenden mein Angebot gleichbleibend gut oder sogar besser ist. Da gibt es viele Möglichkeiten, von der Eigenoptimierung bis hin zur Zusammenarbeit mit Dritten. Es darf an dieser Stelle keine Denkverbote geben. Zur Effizienz gehört auch, gemeindliche Dienstleistung digital zur Verfügung zu stellen und prozessual digital zu Ende zu bringen. Im Jahr 2024 wurde dazu endlich ein Digitalisierungskonzept verabschiedet. Aber ein Konzept muss auch umgesetzt werden. Da brauchen wir mehr Tempo.


Moderne Verwaltung – als Dienstleistung!

Eine Gemeindeverwaltung ist Teil des öffentlichen Dienstes. Das Wort „Dienst“ ist eine gute Überleitung zu unserem Bild einer modernen Verwaltung.

„Dienst“ kommt von „dienen“. Die Mitarbeitenden der Verwaltung versehen ihren Dienst zum Wohle der Gemeinde. Und „Gemeinde“ – das sind letztendlich die Menschen – wir alle. Die Tätigkeit der Bediensteten dient somit letztlich den Menschen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Wunsch erfüllt werden kann oder muss – schließlich gibt es Regeln des Zusammenlebens, auf die die Verwaltung ein Auge haben muss. Und das führt auch mal zu Enttäuschungen. Die sind dann aber nicht der Verwaltung anzulasten. 

Wir möchten, dass sich unsere Verwaltung vom bisher erreichten Level so weiterentwickelt, dass sie eine „Vorzeigegemeinde“ werden kann. Im Umfeld der freien Wirtschaft spricht man dann oft auch von „Best-Practice“.

Vieles beginnt schon beim Grundverständnis: In der freien Wirtschaft habe ich als Kunde die Wahl, bei wem ich meine Waren oder Dienstleistungen beziehe. Ich werde mich wohl für den Anbieter entscheiden, bei dem das Angebot am ehesten meinen Wünschen entspricht und bei dem zudem der Preis passt. Es kommen aber noch andere Aspekte dazu: Wie bequem ist der Kontakt zum Anbieter: Wie kann ich ihn erreichen? Wann kann ich ihn erreichen? Wie ist die Qualität der Leistung? Wie freundlich werde ich behandelt? Wie groß ist mein Vertrauen in den Anbieter – kann ich mich auf ihn verlassen?…

Kurzum: Es herrscht Wettbewerb. Und wenn ein Anbieter auf Dauer erfolgreich sein will, dann muss er sich unter Beachtung der betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen so aufstellen, dass die Kunden sich in diesem Wettbewerb möglichst für ihn entscheiden. Das gilt für die Unternehmensleitung wie für die Angestellten.

Das Problem: Im kommunalen Umfeld gibt es diesen Wettbewerb in aller Regel nicht. Ich kann mir (noch) nicht aussuchen, wo ich bestimmte Anträge stelle oder Wünsche äußern kann – ich muss zu meiner zuständigen Verwaltung. Und Angst um seinen Arbeitsplatz muss in einer Verwaltung keiner haben – schließlich wird die Verwaltung immer gebraucht und kann nicht wie Unternehmen „pleite gehen“ oder „geschluckt werden“. Aber an dieser Stelle sagen wir: „Vorsicht an der Bahnsteigkante“!


Wie der Weg zur Vorzeigegemeinde aussehen kann

Zunächst: Die Grundeinstellung aller Bediensteten (von der Spitze an!) muss sein: „Die Bürger sind meine Kunden. Ich verwalte sie nicht – ich bin hier, um sie zu bedienen! Und wenn ich es nicht gut genug mache, dann wandern die Kunden zur Konkurrenz.“

Viele Bedienstete zeigen diese Grundeinstellung bereits. Aber im organisatorischen Ganzen, bei Anregungen zu Optimierungen bekommen wir in Diskussionen immer wieder mal zu hören: „Man kann eine öffentliche Verwaltung nicht mit einem Wirtschaftsunternehmen vergleichen.“

Warum eigentlich nicht?
Scheut man sich davor, Altgewohntes aufzugeben und neue Wege zu beschreiten?

Es ist schon klar: Eine öffentliche Verwaltung ist tatsächlich kein Wirtschaftsunternehmen – aber lernen könnte man allemal voneinander – man muss nur bereit dazu sein!

Hier ist die Verwaltungsspitze – namentlich der Bürgermeister in der Verantwortung.


Es gibt tatsächlich auch Wettbewerb – den dürfen wir nicht verlieren

An einigen wenigen Stellen herrscht allerdings tatsächlich eine Art Wettbewerb zwischen Kommunen. Dann zum Beispiel, wenn Unternehmen oder Selbständige sich entscheiden, wo sie sich ansiedeln oder wohin sie umziehen möchten. Oder wenn interessierte junge Familien ein neues Zuhause suchen. Dann entscheidet nicht zuletzt die vor Ort vorhandene Infrastruktur über das Hierhin“ oder „Dorthin“. Wir brauchen innovative Selbstständige und Unternehmen in unserer Gemeinde. Sie tragen u.a. durch die Gewerbesteuer und das Angebot von Arbeitsplätzen zum Wohlstand unserer Gemeinde bei. Deshalb muss unsere Gemeinde auch für diese Zielgruppe attraktiv sein und bleiben. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung muss unter anderem unser „Digital-Infrastruktur-Angebot“ daher top sein. Davon profitieren am Ende auch alle Einwohnerinnen und Einwohner.


Zum Schluss…

…müssen wir noch einmal kurz zurück zur „Bahnsteigkante“ (s.o.):
Wenn eine Gemeinde nicht mehr handlungsfähig ist, weil sie nicht mehr genügend finanzielle Mittel zur Verfügung hat oder weil ihre Arbeitsorganisation völlig veraltet ist oder weil ihr qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen, dann ist sie als eigenständige Gemeinde nicht mehr überlebensfähig.

Und dann besteht (wie auch in der Privatwirtschaft – nur auf andere Weise) sehr wohl die Gefahr, dass diese Gemeinde „liquidiert“ und „geschluckt“ wird. Mit eigenständigen Entscheidungen war’s das dann. Es liegt also auch im Interesse der weiteren Eigenständigkeit und der Sicherung der Arbeitsplätze vor Ort, wenn die Verwaltung durch kluge Eigenoptimierung dafür sorgt, den Personal- und Sachkosteneinsatz im Griff zu haben und im Interesse ihrer „Kunden“ zu steuern.

Packen wir’s an!

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